
"In Bayern, da gehen die Uhren anders (herum) ..."Der Münchner Isartorturm bekommt die erste Turmuhr, die rückwärts läuft - konstruiert von Rauscher in RegensburgRegensburg/München.Wie so oft zuvor schaute Petra Perle, seit zwei Jahren Wirtin des Traditionscafés "Turmstüberl" oben im Isartor, aus ihrem Küchenfenster in den tiefblauen Münchner Himmel. Dabei fiel ihr Blick immer auf den großen viereckigen Turm - und auf jene kahle Stelle, an der bis 1971 eine alte Turmuhr die Zeit gewiesen hatte. "Dort", so dachte die stadtbekannte Perle, "müsste wieder was hin. Wieder eine mehr... |
Mittelbayerische Zeitung (ca.380kB) |
Die "Hosanna" kann bald wieder hängenBefestigung für Glocke auf Turm transportiert.Kempten (az). Die "Hosanna", der Basilika größte Glocke, kann bald wieder hängen: gestern wurde in Schwerstarbeit ein 300 Kilogramm schwerer Holzbalken, an dem die Glocke befestigt wird, auf den Nordturm der St. Lorenz-Basilika transportiert. Nächste Woche soll dann die Glocke wieder angebracht werden. Schon eine ganze Weile hat "Hosanna" mehr... |
Allgäuer Zeitung (ca.220kB) |
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Technikergeschichte: Liebhaber entdecken alte Turmuhren neu Wem die Stunde schlägtVDI nachrichten, 29.12.00-Während Fortschrittsgläubige manchmal allzu unreflektiert in die die Zukunft starren, entdecken andere die Vergangenheit. So finden neuerdings Freunde für Antiquitäten Gefallen an Turmuhren, die sich in Kleinform ins Wohnzimmer stellen könne. Anregung schafft ein Museum. Turmuhren üben vor allem zum Jahreswechsel auf den Betrachter ein große Faszination aus. Sie erinnern an Vergangenheit., Gegenwart und Zukunft. Und sie geben einen Anstoß, über das Phänomen Zeit genauer nachzudenken. Die Regensburger Fabrik Georg Rauscher widmet sich seit 1920 der Fertigung mehr... |
VDI Nachrichten (ca.400kB) |
UHRENRosa ZitternAtomuhren laufen weit genauer, als sich die Erde dreht: Ursache für die "Schaltsekunde" dieser Woche. Die neuesten Super-Chronometer kommen gar erst in 50 Millionen Jahren einen Lidschlag lang außer Takt.Es tickt noch ganz richtig bei dem Physiker Robert Vessot in Boston (Massachusetts). "Zu Hause", erzählt er, "habe ich eine Standuhr aus dem 18. Jahrhundert". Als Wissenschaftler aber will er es ganz genau wissen: Im Zentrum für Astrophysik der Harvard University und der Smithsonian Instiution, einer staatlichen Forschungsstiftung, entwickelt er mit seinem Team die zuverlässigsten Chronometer der Welt. mehr... |
Der Spiegel (ca.200kB) |
"In Bayern, da gehen die Uhren anders (herum) ..."Der Münchner Isartorturm bekommt die erste Turmuhr, die rückwärts läuft - konstruiert von Rauscher in RegensburgRegensburg/München.Wie so oft zuvor schaute Petra Perle, seit zwei Jahren Wirtin des Traditionscafés "Turmstüberl" oben im Isartor, aus ihrem Küchenfenster in den tiefblauen Münchner Himmel. Dabei fiel ihr Blick immer auf den großen viereckigen Turm - und auf jene kahle Stelle, an der bis 1971 eine alte Turmuhr die Zeit gewiesen hatte. "Dort", so dachte die stadtbekannte Perle, "müsste wieder was hin. Wieder eine Turmuhr." Dann lief sie wieder aus der Küche und sorgte für ihre Gäste, die die steile Treppe vom Karl Valentin und Liesl Karlstadt-Musäum heraufgestiegen kommen. Noch öfter heftete sich das Augenmerk von Petra Perle auf diese nackte Stelle am Isartorturm. Eines Tages, es war im November 2004, sah die Sängerin und Komödiantin im Bayerischen Fernsehen eine Sendung über die berühmten Turmuhren der Regensburger Familie Rauscher, die weltweit schlagen und griff tags darauf zum Hörer. Georg Rauscher sagte mit Bedacht: "Frau Perle. Turmuhren sind nix für's Telefon, die sind immer was ganz Besonderes. Ich komm' zu Ihnen nach München." Und da standen die beiden nun und schauten an den Isartortürmen empor. "Wissen S' was", sagte Georg Rauscher in einer göttlichen Eingebung, "die Uhr müsste eigentlich rückwärts laufen. Da wär' doch der Karl Valentin gehupft vor Freude." "Herr Rauscher, Sie sind ein Genie", rief Petra Perle und umarmte den Turmuhrenbauer, "das machen wir. Und ich stifte die verrückte Uhr der Stadt München. Schon Willy Brandt hat damals gemeint: ‚In Bayern gehen die Uhren anders."' So kam es. Petra Perle beantragte die Installierung einer Turmuhr am Isartorturm mit zwei Zifferblättern im Durchmesser von je 2,80 Meter. Auf der Ostseite (stadtauswärts) wird die herkömmliche Zeit angegeben, auf der Westseite (zur Stadtmitte zeigend) läuft das goldene Zeigerpaar rückwärts, entgegen dem Uhrzeigersinn. Die römischen Ziffern sind verkehrt herum angeordnet, so dass ein Ablesen der Zeit ein kurzes, intensives Umdenken erfordert. Alsdann liefen die Uhren in der Landeshauptstadt aber unerwartet schnell und präzise. "In erstaunlich kurzer Zeit", so fand es Petra Perle, "war das Projekt genehmigt." Oberbürgermeister Christian Ude soll von dem Plan entzückt gewesen sein. "Grünes Licht! Hab's durchgezogen! Sie können anfangen", telefonierte die Perle nach Regensburg. Georg Rauscher entwarf Zifferblätter im barocken Stil mit blauem Hintergrund und kupferne Zeigerpaare, mit 24 Karat blattvergoldet. Die Zeiger werden von einem starken Motorlaufwerk angetrieben, die minütliche Ansteuerung kommt von einer funksynchronisierten Quarzhauptuhr, die ihre Signale von der Atomuhr CS 2 der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig erhält. Die Karl-Valentin-Uhr läuft zwar rückwärts - aber auf die Milliardstel Sekunde genau! Georg Rauscher hat in der Uhr auf der Stadtseite nur ein zusätzliches Winkelräderwerk eingeschaltet, das die Drehrichtung von rechts nach links umkehrt. Das war schon der ganze Trick! Die Uhr vom Isartorturm dürfte die einzige Turmuhr in Bayern sein, die rückwärts läuft, wenn nicht in Deutschland oder sogar Europa. Wohl gibt es in Souvenirläden sog. weißblaue Telleruhren, die rückwärtslaufen, aber das sind hald keine Turmuhren! Am 2. und 3. November werden die je 50 kg schweren Zifferblätter, die Stundenzeiger (7 kg pro Stück) und die Minutenzeiger (9,5 kg) aus Regensburg von einer Hebebühne aus am Isartorturm montiert. Am 4.11. um 12.00 Uhr wird der Oberbürgermeister Ude die neue Turmuhr offiziell einweihen. Wer Näheres über Petra Perle erfahren möchte, die die Turmuhr für einen fünfstelligen Betrag gestiftet hat, schalte am Montag (24.10.) um 19.30 Uhr das Bayerische Fernsehen ein. In der Reihe "Lebenslinien" läuft das Porträt "Petra Perle - ...ich hab den Drang auf die Bühne..." Druckversion zurück... |
Alles verkehrt herum: Georg Rauscher mit dem künftigen Zifferblatt über dem Karl Valentin/Liesl Karlstadt-Musäum in München, Isartorplatz (Foto:altrofoto.de)
So wird's hier bald aussehen: Die "Rückwärtsuhr" am Isartorturm (Fotomontage)
Münchens berühmte Perle: Die Wirtin vom "Turmstüberl" (Foto: Perle)
Bayern berühmtester Komiker: Karl Valentin (1882-1948) (Foto: dpa) |
Die "Hosanna" kann bald wieder hängenBefestigung für Glocke auf Turm transportiert.Kempten (az). Die "Hosanna", der Basilika größte Glocke, kann bald wieder hängen: gestern wurde in Schwerstarbeit ein 300 Kilogramm schwerer Holzbalken, an dem die Glocke befestigt wird, auf den Nordturm der St. Lorenz-Basilika transportiert. Nächste Woche soll dann die Glocke wieder angebracht werden.Schon eine ganze Weile hat "Hosanna" mit 86 Zentnern die größte Glocke der Basilika, im Nordturm Läutverbot. Denn der hölzerne Glockenstuhl war wie berichtet instabil und die Aufhängung des Gusswerks so marode, dass nach Ansicht von Fachleuten das Gusswerk beim Läuten abzustürzen drohte. Die Glocke selbst war außerdem an den Anschlagstellen so mitgenommen, dass sie nach Ansicht von Fachleuten in eine Spezialglockengießerei zur Reparatur gebracht werden müsste. Empfohlen wurde, den Glockenantrieb grundlegend zu erneuern und neue, elektronisch gesteuerte Läutemaschinen anzuschaffen. Die Läutewinkel sollten mit den elektronischen Läutemaschinen so geändert werden, dass die Klöppel künftig schonender anschlagen. Außerdem sollte der Läutewinkel der größten Glocke deutlich abgesenkt werden. Gestern machten sich die Fachkräfte der Turmuhrenfabrik Georg Rauscher aus Regensburg daran, die Vorrichtung für die Glocke auf den Turm anzubringen: Ein schweres Eichenteil, an dem die Glocke befestigt wird. Schwerstarbeit war das für die Männer, die den schweren Holzbalken nach oben transportieren mussten. Eingehängt werden soll die "Hosanna", die nach Kenntnis der Turmuhrenfabrik übrigens zu den zehn größten Glocken in Bayern zählt, dann vermutlich in der nächsten Woche. Druckversion zurück... |
Foto: Erika Bachmann
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Technikergeschichte: Liebhaber entdecken alte Turmuhren neu Wem die Stunde schlägtVDI nachrichten, 29.12.00-Während Fortschrittsgläubige manchmal allzu unreflektiert in die die Zukunft starren, entdecken andere die Vergangenheit. So finden neuerdings Freunde für Antiquitäten Gefallen an Turmuhren, die sich in Kleinform ins Wohnzimmer stellen könne. Anregung schafft ein Museum. Turmuhren üben vor allem zum Jahreswechsel auf den Betrachter ein große Faszination aus. Sie erinnern an Vergangenheit., Gegenwart und Zukunft. Und sie geben einen Anstoß, über das Phänomen Zeit genauer nachzudenken. Die Regensburger Fabrik Georg Rauscher widmet sich seit 1920 der Fertigung von Turmuhren und bietet jetzt sogar kleinere Exemplare für Wohnzimmer an. Ein firmeneigenes Museum, das von der Turmuhrfertigung vieler Jahrhunderte zeugt, weckt das Interesse für dieses Stück Technikgeschichte, die nicht nur Präzision offenbart, sondern auch künstlerische Gestaltung. Privat angebotene Turmuhren gestatten gar die Möglichkeit, die Gegenwart mit einem Stück faszinierender Vergangenheit zu verbinden. Früher hielt der Technikfreak gern sein Handgelenk deutlich hin, damit sein Status an der teuren Rolex gemessen werden konnte. Heute lädt er seine Freunde zu sich nach Hause ein. Wenn ihr Blick auf die 1,72 m hohe Kleinturmuhr fällt, ahnen sie schon von selbst, dass das technische Kunstwerk etwas Besonderes ist. Ihr Werk könnte- wie einst - ein Zifferblatt mit 1,5 m Durchmesser betreiben. Und das offene Gestell enthüllt ein Uhrwerk, dass vor allem Ingenieure fasziniert. Aus Lagerbronze gegossen, werden die Räder einzeln gedreht und gefräst, die Zahnradspeichen sind per Hand gefeilt. Das Herzstück bildet eine Graham-Hemmung. Das Antriebsgewicht wiegt 30 kg, die Uhr selbst 110 kg - nicht zuletzt wegen ihres Gestells aus massiver Bronze. "Mein Vater wollte damit die Atmosphäre der mechanischen Turmuhr in die Wohnung bringen", erklärt Christine Rauscher. Sie gehört zu dem kleinen, 80 Jahre alten Regensburger Familienunternehmen, einem von nur fünf Herstellern in Deutschland. Dessen Kleinturmuhr ist arbeitsintensiv, dass pro Jahr nicht mehr als 15 Stück hergestellt werden. Zum Aufbau reist die Juniorin persönlich an. Das gefällt - besonders den amerikanischen und japanischen Kunden, die sich sonst nur von digitalen Zeitanzeigern umgeben sehen. Der Skulpturersatz samt der Familienchronik begeistert die Kunden - trotz des Preises von 22000 DM. Auch Unternehmen stellen sich die Mini-Ausgabe gerne in den Eingangsbereich. Und viele kommen vor dem Kauf in das firmeneigene Museum in Regensburg. Dort gibt es einiges zu sehen, schließlich begeistern sich die Rauschers bereits in der vierten Generation für Turmuhren. Zunächst geht es aber um die Herstellung, die rund eine Stunde lang besichtigt wird. In der Werkstatt entstanden schwere Kaliber, deren Installation sechs Tage und einen Sonderaufzug erforderten. Einige Turmuhren schlagen heut im bolivianischen Santa Cruz, im jugoslawischen Banja Luka oder in der Münchner Theatinerkirche. Und natürlich über den Dächern von Regensburg, das von mehr als 500 Türmen gekrönt ist. Anschließend geht es in das firmeneigene Museum, das seine Pforten zwar gratis, aber erst nach Voranmeldung öffnet. Eines der Prunkstücke der rund 25 Turmuhren umfassenden Sammlung ist eine schmiedeeiserne Turmuhr von 1550. "Sie ist so interessant, weil sie immer ein wenig verändert, aber nie weggeworfen wurde - Regensburg war zu arm", erklärt Christine Rauscher. Ein weiteres Highlight ist die größte je vom Unternehmen hergestellte Turmuhr. Das Monstrum wiegt 700 kg und kann Zeiger von einer Länge bis zu 6 m antreiben. Der Hemmer für die Glocken sorgt allein durch sein Gewicht von 60 kg für ein kräftiges "Gong". Doch seit 1960 fallen die Modelle kleiner aus. Die erste Turmuhr zeigte 1336 in Mailand die Zeit anAuch Uhren der einstigen bayerischen Konkurrenz stehen im Firmenmuseum. Die Freischwingerturmuhr der alten Marke Mannhardt beispielsweise ist technisch interessant, weil ihr 2 m langes Pendel die Kraft konstant weitergibt. Viel kleiner fällt dagegen der Zwerg der Sammlung aus: Sein nur 20 cm x 20 cm kleines Turmuhrwerk wurde für Bahnhöfe in der Tschechei gebaut - und schlägt dort wohl heut noch. Die Uhren halten locker hundert Jahre, höchstens die Palette muss mal ausgewechselt werden", freut sich Rauscher junior. Nebenan liegt eine Sammlung alter Uhrzeiger, die ihrem Vater gehört. Sie reichen von 30 cm Länge bis hin zu 3 m. Mechanische Uhrwerke türmen sich in den Regalen. Für Georg Rauscher III. ist die Restaurierung alter Uhren ein Hobby.Natürlich geht es bei der Führung auch um die Geschichte der Turmuhren. Die erste weltweit zeigte 1336 in Mailand die Zeit an. Bis dahin mussten sich die Bürger des Mittelalters nach der Sonne, der Jahreszeit oder den Klöstern richten. Denn für die Mönche war die Tageseinteilung schon für Ihr Gebet wichtig. Deutschlands erste Schlaguhr wurde 1458 am Regensburger Rathaus angebracht. Damals liefen die Uhren keineswegs alle gleich schnell. Wohl deshalb gebot der König in Paris, alle Uhren nach der seinigen zu stellen. Und in Venedig verbot der Doge sogar die Anbringung einer Uhr an der Markuskirche - er ließ eigens einen Turm daneben bauen. So bestimmte er, wann wem die Stunde schlug. Als die geschmiedeten Uhrwerke durch Messingzahnräder ersetzt wurden, liefern sie genauer. Doch bis zu technischen Errungenschaften wie dem Pendel oder der Uhrenspirale dauerte es nach der Räderuhr noch 350 Jahre. Minutenzeiger waren erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts üblich. 1926 wurde die elektromechanische Turmuhr als Sensation gefeiert. Christines Urgroßvater Georg Rauscher hatte sie erfunden. 1978, mit der Erfindung der Funkuhr, machte der Name wieder Schlagzeilen. Die erste ihrer Art lief am Regensburger Rathaus - produziert worden war sie im Ort. Aufgrund dieser Technik sank das Gewicht von über 700 kg auf nur rund 40 kg für den Getriebemotor, der die Zeiger bewegt und das Hubwerk, das die Hämmer für den Glockenschlag betätigt. Heute laufen die Turmuhrwerke längst nach einer Hauptuhr - dem amtlichen Zeitzeichensender der Physikalisch- Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Regensburg war die erste Stadt, deren Uhren im Braunschweiger Takt liefen - dank einer ferngelenkten Quarz-Hauptuhr aus den Rauscherschen Werkstätten. "Rund 95% aller Turmuhren werden von Quarz-Funkuhren oder elektrischen Pendelhauptuhren gesteuert," weiß die Jungunternehmerin. "Ich zähl´ die Zeit/ und schlag´ die Stund/ und geb´ euch Leid´/ und Freude kund" - so hatte ihr Uhrgroßvater und Firmengründer das Wesen der Turmuhr zusammengefasst. Heute leitet Christine samt ihren Schwestern Elisabeth und Ingrid sein Unternehmen erfolgreich weiter. An der alten Wahrheit hat sich für die Urenkelinnen ebenso wenig geändert wie an der Faszination der technischen Geräte. Aber sie gehen mit der Zeit. Zu den üblichen Kunden - Gemeinden, Städten oder Klöstern - kommen jedoch zunehmend auch Privatleute. Sie suchen Uhren, die sie außen an ihre Häuser anbringen. "Solche Architektenuhren waren früher bei großen Gutshäusern üblich und kommen gerade in Bayern wieder in Mode", erklärt Christine. Auch Einkaufszentrum, Banken oder Juweliere schmücken sich gern mit den individuell gestalteten Uhren. Der Preis hält sich mit 5000 DM - verglichen mit der Kleinturmuhr - sehr in Grenzen. Installiert sind sie auch schneller als ihre großen Namenswettern. Denn für die Anbringung einer echten Turmuhr brauchen Spezialisten auch heute noch zwei bis drei Tage. Danach hält der Schlag dann hundert Jahre. Da kommt keine Rolex mit. CORDELIA CHATON Druckversion zurück... |
Turmuhren im Regensburger Stadtbild:
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UHRENRosa ZitternAtomuhren laufen weit genauer, als sich die Erde dreht: Ursache für die "Schaltsekunde" dieser Woche. Die neuesten Super-Chronometer kommen gar erst in 50 Millionen Jahren einen Lidschlag lang außer Takt.Es tickt noch ganz richtig bei dem Physiker Robert Vessot in Boston (Massachusetts). "Zu Hause", erzählt er, "habe ich eine Standuhr aus dem 18. Jahrhundert". Als Wissenschaftler aber will er es ganz genau wissen: Im Zentrum für Astrophysik der Harvard University und der Smithsonian Instiution, einer staatlichen Forschungsstiftung, entwickelt er mit seinem Team die zuverlässigsten Chronometer der Welt. Da flackert nicht einmal mehr eine Digitalanzeige. Die wäre unsinnig, denn Vessot bemißt die Ganggenauigkeit seiner Kreationen nicht nach Milli-, Mikro-, oder Nano-, sondern nach Picosekunden, Billionsteln der im täglichen Leben gebräuchlichen kleinsten Zeiteinheit. Auffällig daran ist nur ein neonrosa glimmender Glaskolben, gleichsam die Triebfeder des lautlosen Uhrwerks: Wasserstoff-Atome zittern darin vor Energie. An einem Eintrag im "Guinness Book of Records" ist Vessot nicht gelegen (er steht auch noch nicht drin). Ihn drängen Forscherkollegen, die - wenn sie etwa Verschiebungen der Erdkruste., Bahnen von Raumsonden oder Strahlungsimpulse vom äußersten Horizont des Alls messen wollen - die Zeit gar nicht exakt genug kennen könne; und ebenso stellen Militärs immer höhere Anforderungen. Deshalb veralten sogar diese Atomuhren, so empfindlich sie die gleichmäßig verrinnende Zeit auch bestimmen. "Als wir in den frühen sechziger Jahren anfingen", berichtet Vessot, "bastelten wir diese verrückten Maschinen, die eine halbe Tonne wogen und aussahen wie ein Tisch mit einer Mülltonne drauf." Das erste dieser Wunderwerke, das in 1,7 Millionen Jahren allenfalls eine Sekunde vor- oder nachgegangen wäre, ist nach zwölf Jahren Betrieb seit kurzem in Washington ausgestellt - als Museumsstück. Die neuesten Atomuhren aus Boston, Stückpreis 355 000 Dollar, ähneln äußerlich einer Kühlbox. Ihre Abweichung von der wirklichen Zeit entspricht nur mehr "einer Sekunde in 50 Millionen Jahren", wie Vessot in der US- Wissenschaftszeitschrift "Discover" erläutert, "obwohl wir natürlich nicht erwarten, daß sie so lange laufen". Die eigentliche Funktion hat sich indes nicht geändert, seit die Harvard-Physiker Norman Ramsey, Daniel Kleppner und H. Mark Goldenberg 1960 den sogenannten Wasserstoff-Maser entwickelten. Es war für die damalige Zeitmessung noch einmal ein Fortschritt wie von Peter Henleins Nürnbergisch Ei zur Quarz-Armbanduhr. Ähnlich wie ein Laser energiereiche Lichtwellen bestimmter Frequenz abstrahlt, erzeugt und verstärkt ein Maser Mikrowellen*. Beim Wasserstoff-Maser werden Wasserstoff-Atome durch Radiostrahlung zu starker Schwingung gebracht: dadurch entsteht auch das hellrote Glimmen. Diejenigen Atome, die eine bestimmte Energie erreicht haben, passieren dann eine Art Schleuse. Etwa zehn Billionen Atome pro Sekunde strömen, jedes rund 12 000 Stundenkilometer schnell, in eine teflonbeschichtete Quarzkammer, prallen wie rasende Billardkugeln zwischen den Kammerwänden hin und her und springen schließlich zurück auf ein niedrigeres Energieniveau. Dieser Prozeß erzeugt ein an- und abschwellendes Magnetfeld, das wiederum Mikrowellen auf seine Frequenz einstimmt. Damit der Wasserstoff-Maser zur Uhr wird, muß er nur noch mit einem Gerät verbunden werden, das die Schwingungen zählt- es sind genau 1 420 405 751,68 pro Sekunde. "Wir sind wie Kunsthandwerker", sagt einer der US-Experten stolz. "Vier Leute brauchen ein ganzes Jahr, um nur einen Maser herzustellen: allein die Quarzkammer mit Teflon zu beschichten ist Schwarze Magie." Bislang hat die Bostoner Gruppe 15 Wasserstoff-Maser-Uhren für Satelliten-Bodenstationen, astronomisches Radioteleskope und Forschungslabors in den USA und Europa gebaut. Höchste Präzision ist zum Beispiel vonnöten, seit Raumgefährte immer weiter ins Sonnensystem ausschwärmen. Als jüngsten Erfolg feierten Vessot und seine Mitarbeiter den sicheren Vorbeiflug von Voyager 1 an den beringten Großplaneten Jupiter und Saturn mit ihren Trabantensystemen. Auch Voyager 2 wird gegenwärtig auf die Begegnung mit Saturn am 26. August ausgerichtet. Dafür messen die Bodenstationen in Kalifornien, Spanien und Australien den äußerst geringen Zeitunterschied, mit dem Radiosignale der Sonne ihre Antennen erreichen. Aus dieser Differenz und den bekannten Abständen der Stationen läßt sich die Position der Sonde auch über die Entfernung von derzeit rund 1,3 Milliarden Kilometer noch auf wenige Dutzend Kilometer berechnen. Selbst Quarzuhren gehen derart unstet, daß damit solche Missionen gefährdet wären. Atomuhren hingegen messe so genau, verdeutlichte der Harvard-Forscher James Moran, "als könnte man von Boston aus die Breite von Präsident Lincolns Nase auf einer Penny-Münze bestimmen, die jemand in San Francisco hochhielte". Indem sie den Zeitunterschied eintreffender Signale messen, untersuchen Astronomen weit entfernte Galaxien und andere kosmische Objekte. Eine Umkehrung des Verfahrens erlaubte ihnen wiederum, die Entfernung zweier Radioteleskope in Massachusetts und Kalifornien, die gleichzeitig auf dieselbe Strahlenquelle am Himmel ausgerichtet wurden, mit absurd anmutender Genauigkeit zu bestimmen: auf 3 928 881 677,4 Millimeter. Einen Nutzeffekt hat das schon. Die kontinentale Scholle Nordamerikas, ergaben wiederholte Messungen, ist in sich stabil. In Kalifornien jedoch rückten zwei Meßstationen beidseits des San-Andreas-Grabens, einer Bruchzone der Erdkruste, im Laufe von elf Wochen um rund 20 Zentimeter auseinander. Kurz darauf erschütterte ein Erdbeben das Imperial Valley nahe der mexikanischen Grenze. Physiker Vessot ließ sogar eine nur 40 Kilogramm schwere Atomuhr mit einer Rakete 10 000 Kilometer hoch schießen um wiede4r einmal Albert Einsteins Relativitätstheorie zu bestätigen. Tatsächlich - zeigte das Experiment - beschleunigt sich der Ablauf der Zeit, wenn das Schwerefeld ( in diesem Fall durch Abrücken von der Erde) schwächer wird. Ein weit ausgespanntes Netz von Atomuhren, meint Vessot, könnte auch die laut Einstein existierenden Schwerkratftwellen aufspüren, nach denen die Forscher bisher vergeblich suchten. Allerdings müßte eine Meßsonde etwa in Entfernung des Jupiter stationiert werden - ein Vorhaben für das nächste Jahrzehnt. Im militärischen Bereich werden ultragenaue Zeitgeber schon bald in großem Umfang eingesetzt. So wollen die USA damit geheime Daten kodieren und auch Sprache, etwa gefunkte Kommandos, verschlüsseln. Zudem plant die US-Marine das Projekt "Navstar". Dieses Satelliten-Navigationssystem soll Schiffen, Flugzeugen und Landfahrzeugen und selbst Stoßtrupps mit geeignetem Empfangsgerät erlauben, ihre Position, wo immer sie sind, auf wenige Meter genau zu bestimmen. Atomzeit regiert freilich auch lange schon das zivile Leben. Bis in die Silvesternacht 1971 war Sekunde ein Teil von Jahr, Tag, Stunde und Minute. Seither gelten diese Einheiten als Vielfaches der Sekunde - und die ist offiziell definiert durch 9 192 631 770 Schwingungen des elektromagnetisch angeregten Cäsium-Atoms. Weil die Erde nicht so gleichmäßig rotiert, wie die Atomuhren laufen, mußten inzwischen neun "Schaltsekunden" eingelegt werden. Nur 1980 drehte sich der Globus aus bislang unerfindlichen Gründen ein wenig schneller - die zusätzliche Sekunde fiel zu Neujahr aus und wird nun erst am Mittwoch dieser Woche um 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (...58,59,60,00,01...) gezählt. Alle Länder richten sich dabei nach einem Standard des Internationalen Zeit-Büros in Paris. In der Bundesrepublik verbreitet das Atomuhrenzentrum der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig diesen Gleichtakt weiter. Das amtliche Zeitsignal kommt über Langwellensender DCF 77 auf 77,5 Kilohertz. Die Uhren von Fernsehen und Bundesbahn hingegen werden vom Deutschen Hydrographischen Institut in Hamburg gesteuert, das mittels astronomischer Beobachtungen auch feststellt, wann eine Schaltsekunde fällig wird. Das Zeichen der Zeit ist bis in die bewahrte Idylle gedrungen. Wenn etwa die vergoldeten, 3,30 und 2,91 Meter langen Zeiger der Uhr am Rathausturm in Regensburg weisen, was die Stunde geschlagen hat, gehen alle anderen Turmuhren der Stadt synchron mit. Da schwingt nirgends im Gebälk noch ein Pendel, muß kein Glöckner mehr Treppen steigen und aus Leibeskraft Gewichte hochziehen. Gesteuert werden die spätgotischen bis modernistischen Uhren zentral von einem schuhkartongroßen Plastikkasten - dem Empfänger für die Braunschweiger Atomzeit. Vater und Sohn Georg Rauscher, die in Regensburg eine Turmuhrenfabrik betreiben und Ziffern, Blätter und Zeiger im Stil aller vergangenen Epochen fertigen, sind mit der neuen Technik zufrieden: "Eine saubere Sache". Druckversion zurück... |
Pyhsiker Vesso, Wasserstoff-Maser
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